Google feiert Geburtstag und bringt einige Neuerungen

Herzlichen Glückwunsch zum 20. Geburtstag. Als vor über 20 Jahren die zwei Doktoranden Sergey Brin und Larry Page der Uni Stanford in einer kleinen Garage die neue Suchmaschine in die Welt entließen, konnte noch niemand ahnen, dass daraus einmal die größte Suchmaschine der Welt werden sollte. Inzwischen gibt es Google in mehr als 150 Sprachen. Sie kann in über 190 Ländern weltweit aufgerufen werden. Die Marktanteile verteilen sich den meisten Ländern ähnlich wie in der Schweiz. Hier sind es mehr als 93 %.

Fast jeder, der etwas im Internet sucht, tut dies über Google. So ist es auch kein Wunder, dass das Wort “googeln” seit 2004 im Duden zu finden ist. Seinen 20. Geburtstag feiert das Unternehmen mit vielen gravierenden Änderungen.

Lernende Maschinen, künstliche Intelligenz und eine ganze Menge Nutzerdaten

Ben Gomes ist der Mann, der bei Google mitverantwortlich für die Suche ist. Der Vice President erklärte in einem Interview, dass die Nutzer im Prinzip immer noch wie vor 20 Jahren suchen. Sie tippen einen Begriff ein und über diverse Algorithmen versucht das System, möglichst nützliche Ergebnisse zu finden. Es wird deshalb Zeit, ein paar entscheidende Änderungen im System durchzuführen. Mit diesen Änderungen will Google den Nutzer noch besser unterstützen als bisher. Ben Gomes stellte außerdem fest, dass die Suche mit der Suchmaschine durchaus nicht perfekt ist. Er versprach in diesem Zusammenhang, dass das Unternehmen jeden Tag daran arbeitet, besser zu werden. Im Zusammenhang mit der Suchmaschine bedeutet das, dass Nutzer auch auf die Fragen Antworten bekommen, die sie zwar noch nicht gestellt haben, die aber im Zusammenhang mit ihrer Suche trotzdem interessant sein könnten. Um das zu ermöglichen, benötigt das Unternehmen lernende Maschinen, künstliche Intelligenz und vor allem eine ganze Menge Daten ihrer Nutzer.

Die Reise mit Google – Journey ab Herbst 2018 verfügbar

Google will in Zukunft dem Nutzer seine Suchergebnisse nicht mehr ausschließlich über Algorithmen berechnen, sondern ihn bei seiner Suche über einen längeren Zeitraum begleiten. Das Unternehmen nennt diesen Vorgang Journeys, auf Deutsch reisen. Diese neue Funktion soll ab dem Herbst eingeführt werden. Ziel ist es, nicht nur aktuelle Suchergebnisse zu zeigen, sondern auch Internetseiten mit dem gleichen Thema, die der Anwender schon einmal besucht hat, erneut anzuzeigen. Diese Seiten werden dann zu einem Thema aufgelistet. Der Nutzer hat die Möglichkeit, aus dieser Liste Seiten zu entfernen oder hinzuzufügen, um sie an seine Bedürfnisse anzupassen.

Google Journey Suche

So wird die Google Journey Suche aussehen, es werden frühere Suchanfragen zum selben Thema angezeigt (Grafik: Google)

 

Die Einführung der Activity Cards

Die Activity Cards sind eine große Neuerung in der Suchmaschine und sollen bereits in den nächsten Wochen Schritt für Schritt eingeführt werden. Diese Karten sollen relevante Ergebnisse von früheren Suchen, inklusive der neuen gefundenen Internetseiten noch einmal aufzeigen und zusammenfügen. Damit bekommt der Nutzer die Möglichkeit, seine Suche, die er vor einigen Tagen schon einmal gestartet hat, an diesem Punkt fortzusetzen.

Nach dem gleichen Prinzip werden die sogenannten Sammlungen funktionieren. Der Unterschied ist, dass der Nutzer hier seine Inhalte selber zusammenfügt und Google ihm passende Seiten und Artikel dafür vorschlägt. Ein gutes Beispiel dafür sind Handarbeiten. Wer sich zum Beispiel für eine gestrickte Jacke interessiert, bekommt gleichzeitig Informationen darüber, wo er Strickmuster, die passende Wolle oder anderes Zubehör finden kann. Sucht ein Nutzer Informationen zu einem bestimmten Land, listet ihm Google in Zukunft Flüge oder Zugverbindungen und Hotels oder Ausflugsziele auf. Sie als Anwender können mit nur einem Klick alle relevanten Seiten zu einem bestimmten Thema finden.

Es werden relevante Informationen von häufig erfragten Suchbegriff angezeigt. (Grafik: Google)

 

Die digitale Pinnwand bei Google

Eine weitere Neuerung sollen die Sammlungen sein. Laut Google sind sie eine weitere Möglichkeit, die Suche komplexer und innovativer zu gestalten. Sammlungen auf Google sollen ähnlich funktionieren wie eine digitale Pinnwand. Diese Pinnwand kennen Sie vielleicht schon von Pinterest oder ähnlichen Plattformen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie als Anwender ein Bild, einen Artikel oder vielleicht eine Internetseite suchen. Sie bekommen immer die gleichen Informationen. In der Sammlung können Sie alle Ergebnisse zusammenlegen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt schnell wiederzufinden. Das Besondere an dieser Pinnwand ist die Tatsache, dass im Hintergrund, für Sie komplett unauffällig, eine künstliche Intelligenz dafür sorgt, dass Sie immer mehr von diesen Ergebnissen zu sehen bekommen. Das sorgt auf der einen Seite dafür, dass Sie sich umfassend informieren können. Auf der anderen Seite verlängert es aber auch Ihre Verweildauer bei Google.

Google startet mit seinem Dienst “Sammlungen” ein eigenes Bookmark Funktion. (Grafik: Google)

 

Google Discover – Der Feed im neuen Gewand

In Zukunft wird der Feed in einer Google App den Namen “Discover” bekommen. Verändert hat sich aber nicht nur die Bezeichnung, sondern vor allem das Design. Durch das verbesserte Design soll es für die Nutzer in Zukunft bedeutend einfacher sein, interessante Inhalte zu einem bestimmten Thema zu finden. Ein Beispiel dafür sind neue Themenüberschriften, die dem Nutzer erklären, warum ihm eine bestimmte Karte in Discover gezeigt wird. Zeigt eine dieser Karten ein interessantes Thema für Sie, reicht ein einziger Klick aus, um Ihnen weitere interessante Karten zu diesem Thema zu öffnen.

Google Lens – Bildersuche erkennt Objekte

Die Bildersuche wurde anlässlich des Jubiläums komplett überarbeitet. Die Technologie “Google Lens” ist schon jetzt in verschiedenen Apps integriert. In den kommenden Monaten wird sie auf weitere Bereiche ausgedehnt. Mit dieser Technologie können einzelne Objekte auf Fotos identifiziert werden. Für Sie bedeutet das, dass Objekte, die auf den Bildern von Google hervorgehoben werden, direkt angeklickt werden können. Damit können Sie mehr Informationen zu einem Objekt erhalten oder nach ähnlichen Dingen suchen. Wird ein Gegenstand nicht direkt erkannt, haben Sie die Möglichkeit, ihn zu markieren und eine eigene Suche zu starten. Die Suche wird damit visuell und ist nicht mehr auf geschriebene Worte angewiesen.

 

Änderungen für Mobile Geräte

Selbst für mobile Geräte hat sich Google einiges einfallen lassen. Unter dem klassischen Suchfenster werden in der Zukunft weitere Inhalte, wie zum Beispiel Internetseiten oder Videos aufgelistet, wenn Sie zu den Suchbegriffen des Nutzers passen. Wenn die Angebote für Sie interessant sind, können Sie mit einem Klick mehr Informationen dazu aufrufen. Je häufiger Sie als Nutzer Google verwenden, desto genauer werden die Angebote auf Sie zugeschnitten. Durch Zwischenüberschriften werden die Seiten thematisch gegliedert und Ihnen wird das Suchen erleichtert. Zusätzlich wird Google seinen Nutzern in Zukunft auch Inhalte zum Anklicken vorschlagen, ohne dass sie eine Suche ausgelöst haben.

Fazit

Mit seinen Neuerungen will Google immer mehr von der reinen Suche, die der Nutzer auslöst, wegkommen. Stattdessen will Google Inhalte, die Sie als Nutzer interessieren könnten, aktiv vorschlagen. Damit wird sich das komplette Suchverhalten verändern.
Ziel von Google ist es natürlich nicht nur, dem Nutzer einen Mehrwert zu bieten, sondern ihn auch länger auf seinen Seiten zu halten. Schon jetzt steht Google häufig in der Kritik, weil er die vielen Daten der Nutzer sammelt. Kritiker geben zu bedenken, dass Google mit diesen Daten Geld verdienen will. Tatsächlich ist es aber so, dass Google auch weiterhin das meiste Geld mit der Onlinewerbung verdient. Aber auch hier stehen die Wettbewerbshüter schon Gewehr bei Fuß, weil sie dem Suchmaschinenbetreiber vorwerfen, dass er seine Marktmacht ausnutzt.